Wer den Einzelhandel vor Ort nicht bedient…

…muss sich nicht wundern, wenn ihn der Einzelhandel vor Ort alsbald nie mehr bedienen kann.

Und sodann wird das zuerst vermeintlich gesparte Geld dann um ein Vielfaches in teures Benzingeld investiert, um zu bekommen, was einst noch vor Ort zu bekommen war. Dies wird erst dann richtig bitter, wenn die Gesundheit der eben noch als problemlos angesehenen Mobilität einen natürlichen Riegel vorschiebt. So werden wir im Alter zu Opfern unserer eigenen Entscheidungen, deren Konsequenzen wir nicht wahr haben wollten, als wir sie trafen.

Die Einstellung der 68er zur Demokratie

Wenn ausgerechnet Uschi Glas bei Lanz mal eben eine erstaunliche Wahrheit über die 68er raushaut (sinngemäß): „entweder warst Du drin, oder Du warst raus. Das ist doch kein Demokratieverständnis.“
Das für mich besonders bemerkenswerte an dieser Aussage ist, dass wir diesen (mangelnden) Sinn für Demokratie in dem aktuellen Umgang vieler im politischen (oder anderweitigen) Diskurs sehen: Extrem wenig Toleranz für die andersartige Meinung. Du hast meine Meinung, oder du bist ein Idiot. Du hast meinen Wissensstand, oder Du bist manipuliert, aber merkst es gar nicht.
Diese Art der Einstellung des „die Wahrheit für sich gepachtet Habens“ ist es, die die 68er Generation damals bereits an den Tag zu legen begann, die uns heutzutage die riesigen Probleme bereitet, weil sie den politischen Diskurs zuweilen nicht nur vergiftet, sondern ihn tatsächlich zuweilen zunichte macht. Schade eigentlich.
„Gut gemeint“ ist eben doch nicht „gut gemacht“.

Warum das Bundesverfassungsgerichtsurteil solch eine Schande ist

Wer einmal erfahren hat, was Hannah Arendt später den Menschen in Deutschland vor der der Machtergreifung vorgeworfen hat, kommt schnell zu der Frage, ob das zuletzt vom Bundesverfassungsgericht gefällte Urteil womöglich genau diesen Vorwürfen ebenfalls nicht stand halten könnte.
Aus der Sicht Hannah Arendts haben zu viele interlektuelle Menschen die Nazis quasi unterschätzt. Das Bundesverfassungsgericht verzichtet in seinem Urteil darauf, die zwingend notwendige Konsequenz aus den von ihr festgestellten Tatsachen zu ziehen, u.a. der festgestellten Verfassungsfeindlichkeit. Stattdessen meint das Gericht eine Bedeutungslosigkeit festzustellen, die es ihr gebiete auf ein Verbot verzichten zu müssen. Wie sehr könnte es genau ein solches Urteil, mit ebendieser Begründung gegen die NSDAP in deren Anfangszeit gegeben haben. Wie fatal lange wurde der „Nazipöbel“ vom Wilhelminischen Bürgertum als unbedeutend oder vorübergehend belächelt.
Es mag nun erst wieder die Geschichte erweisen, ob sich das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil selbst zum Steigbügelhalter eines neuen, aufstrebenden Nazipöbels gemacht haben wird, oder ob es sich nur einer harmlosen Dummheit hingegeben hat, indem es einen Verstoß feststellend auf die nötige Ahndung verzichtete.
Was das Bundesverfassungsgericht auf fatale Weise unterschätzt ist, dass ein ganz wesentlicher Teil einer funktionierenden Demokratie eine blinde Justitia ist, die nicht je nach einer von ihr vermeintlich gesehenen Bedeutungslosigkeit richtet. Der Leser mag sich an dieser Stelle dem Gedankenexperiment hingeben, sich zu fragen, ob es bedeutsamer ist, wenn eine Fleischereifachverkäuferin ihrem Arbeitgeber ein halbes Mettbrötchen als eigene Brotzeit „entwendet“, oder ob eine Gruppe von Menschen sich an unserer Verfassung auf systematische Weise vergehen und diese Gruppe weiter unter ihrem derartig bekannten Namen Vorgehen und ihr Denken weiter in aller Öffentlichkeit ungestraft verbreiten darf.
In einem Arbeitszeugnis würde man das Verhalten des Gerichtes wohl wie folgt umschreiben: „…hatte die Möglichkeit Stärke in einem Moment zu zeigen, zu dem viele Menschen auf der Suche nach einem Starken und funktionierenden Staat ausgerechnet jenen Kräften zustrebten, die danach trachteten diesen Staat zu vernichten“.

Nur auf die, die eine genuine Angst vor der notwendigen Verantwortung des Menschengeschlechts haben, wird Verlass sein, wenn es darum geht, gegen das ungeheure Übel, das Menschen anrichten können, zu kämpfen.
Hannah Arendt „Organisierte Schuld“

Plädoyer für Französisch als europäische Einheitssprache

Was fehlt Europa derzeit, um sich als „ein Europa“ zu fühlen?
Aus meiner Sicht vor allem eine den Gemeinsinn fördernde gemeinsame Sprache.
Aber warum ausgerechnet Französisch, wo doch Deutsch die nachweislich von viel mehr Europäern gesprochene Sprache ist?
Ich glaube, dass es wichtiger ist, dass sich die Deutschen den Franzosen zuwenden, statt umgekehrt.Während die Franzosen die emotionalen Sieger Europas sind, sind die deutschen die wirtschaftlichen Sieger. Letzteres schafft viel Neid. In einer solchen Situation schafft es deutlich mehr Solidarität, wenn sich der Starke dem Schwächeren zuwendet, als umgekehrt. Was Europa am meisten fehlt ist Solidarität. Nichts macht diesen Mangel an Bereitschaft zur Solidarität deutlicher, als „Amerika first“, der Brexit oder die katalanischen „Unabhängigkeitsbetrebungen“. Wo sind all die Erkenntnisse unserer literarischen Aufklärung hin? Wie kann es sein, dass sich so viele „Europäer“ ausgerechnet von genau den Werten, die dieses Nachkriegseuropa so „groß“ und lebenswert gemacht haben, entfernen?